Die Altomünsterer Ortsgeschichte in Fotografien wird in der neuen Ausstellung im Museum Altomünster mit dem Teil II „Kloster, Kirche und Pfarrei“ fortgesetzt. Die Schirmherrschaft hat Herr Pater Norbert Rasim OT übernommen. Kuratiert wird die Ausstellung von Prof. Dr. Klaus Peter Zeyer zusammen mit einem Projektteam vom Museums- und Heimatverein.
Im Teil I „Orte und gemeindliches Leben“ wurde besonders die lokale Umgebung, die Ortsentwicklung, den Alltag und das Umfeld der Bevölkerung gezeigt. Nach einem Jahr wird nun die Ausstellungsreihe mit Teil II „Kloster, Kirche und Pfarrei“ fortgesetzt.
Fotografien machen Geschichte erlebbar. Altomünster hat dabei das besondere Glück, dass mit dem Fachgeschäft „Foto Baumann“ schon ein Fotograf vor Ort war, als das Fotografieren noch ein Handwerk von wenigen Enthusiasten war. Dadurch gibt es schon ab 1893 erste Fotos des Firmengründers Nikolaus Baumann, der die Fotografie, autodidaktisch erlernte. Das Fotogeschäft konnte über seinen Sohn Otto und dessen Tochter Brigitta Schwarzbach, geb. Baumann, über drei Generationen bis 2007 fortgeführt werden. Dadurch entstand ein beeindruckendes und wertvolles Zeitdokument von Altomünster in Fotografien. Das Fotoarchiv wurde 2010 von der Marktgemeinde unter dem damaligen Bürgermeister Konrad Wagner von der Familie Baumann erworben und danach digitalisiert. Aufgrund des Bestandes von etwa 29 000 Fotos war eine gezielte Recherche bisher nur sehr schwer möglich.
Ernst Graf hat das Archiv in mühevoller und langer Arbeit mit Schlagwörtern versehen. Ein Projektteam aus Barbara Baumann, Ernst Graf, Prof. Dr. Wilhelm Liebhart, Birgitta Schwarzbach und Prof. Dr. Klaus Peter Zeyer hat es sich dann zur Aufgabe gemacht, den Bestand zu sichten, nach Themen zu ordnen und eine Auswahl für eine Ausstellungsreihe zu treffen.
„Da über das Themenfeld „Kloster, Kirche und Pfarrei“ schon eine umfangreiche Literatur existiert, wurden bisher weniger bekannte, ganz neue und zukunftsbezogene Aspekte im neuen Katalog in Form von Aufsätzen verschiedener Autorinnen und Autoren aufgenommen“, sagt Kurator Zeyer. So lässt sich Neues über die Altomünsterer Katakombenheiligen erfahren. Die neuere Geschichte des Frauenkonvents bis zur Aufhebung 2017 wird thematisiert, die ja durch das seitdem leerstehende Klosterareal in die Zukunft hinein, drängende Fragen aufwirft. Der Selbstmord einer Äbtissin in extremer Verzweiflung während des 30-Jähigen-Kriges nimmt Prof. Dr. Wilhelm Liebhart als Anlass für seine historische Erzählung „Das Nonnenskelett“. Eine vergessene Glocke in einem Türmchen des Klosters konnte wiederentdeckt, datiert und materialtechnisch analysiert und über ein Glockenseil wieder nutzbar gemacht werden. Der Klostergarten ist eine ruhige Oase mit alten und teilweise seltenen Apfel- und Birnensorten. Der familiäre Bezug des „Apfelpfarrers“ Korbinian Aigner (1885 - 1966), der jahrelang in der NS-Zeit inhaftiert war und im Konzentrationslager Dachau neue Apfelsorten züchten konnte, zum Kloster Altomünster wird in einem anderen Beitrag thematisiert. Die komplizierte Zuordnung der politischen Gemeinde Altomünster zu zwei Diözesen und zwölf verschiedenen Pfarreien der Katholischen Kirche wird in einem anderen Aufsatz historisch erklärt und dargestellt. Seit dem Tod von Pfarrer Wolf Bachbauer im Jahr 2007 hat Altomünster keinen am Ort ansässigen Pfarrer mehr. Die Entwicklung hin zum heutigen Pfarrverband und seine seelsorgerische Betreuung durch den Deutschen Ordnen wird ebenfalls skizziert. Die evangelischen Christen in Altomünster gehören zur Kirchengemeinde Aichach – Altomünster. Die junge Geschichte dieser Gemeinde über den Bau des Evangelischen Gemeindezentrums bis hin in die Gegenwart ist ein weiteres interessantes Thema.
Begleitend zum zweiten Ausstellungsteil wird ab der Eröffnung ein neuer Katalog im Museum angeboten. Alle etwa 330 in der Ausstellung gezeigten Fotos im Katalog zu sehen sein, von denen viele noch nie publiziert wurden.
Das Projektteam hofft, dass seine Arbeit auf fruchtbaren Boden fällt und vielen Menschen Freude bringt, alte Erinnerungen weckt und neue Erkenntnisse fördert.